Usui Reiki versus Kundalini Reiki – lebendiges Wasser trifft heiliges Feuer!

Wie kaum zwei andere Wege des Reiki bzw. der Energiearbeit spalten das Reiki nach Mikao Usui  und das Kundalini Reiki von Ole Gabrielsen die Gemüter in aller Welt, so dass es mir sinnvoll erscheint, an dieser Stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede genauer zu beleuchten. Reiki nach Usui wende ich seit 1997 an, Kundalini Reiki (mit direkter Einweihung durch den Begründer, den dänischen Reikilehrer Ole Gabrielsen) seit 2004. Ich meine also, dass ich durchaus in der Lage bin, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Systeme praktisch wahrzunehmen und auch darzustellen.

Zunächst ist es so, dass Reiki nach Usui einfach die Aktivierung der Energiekanäle im Menschen vornimmt, die in diesem etwa 100 Jahre alten System angesprochen werden. Nach meiner Wahrnehmung sind es kosmische Wesenheiten – manche sprechen auch von Ahnengeistern der Familie Usui, andere von bestimmten Manifestationen des Sonnenbuddha – die hier den Prozess begleiten. Nach den im Westen vorgenommenen “Vereinfachungen” in der Linie Hayashi-Takata (über die im Westen mehr als 95% aller eingestimmten Personen zumindest ihren Erstkontakt mit Reiki nach Usui  gehabt haben dürften) wurde natürlich auch die Energie und die Praxis von Reiki etwas verändert (um nicht zu sagen verfälscht), so dass dann im Nachhinein von anderen Lehrern, die dieses Fehlen bestimmter Elemente bemerkten, Dinge hinzu gefügt wurden, wie das z.B. bei den im Westen recht populären “Fußeinweihungen” (zusätzliche energetische Öffnungen der Fußchakren) geschieht.

Traditionell – also so, wie Usui Sensei die Einweihungen gegeben hat – die damals ja auch nicht “Einweihungen” hießen, sondern “Reiju”, was eher so viel wie “Segnung” oder “Öffnung” bedeutet – ist Reiki ein fortschreitender Prozess immer tieferer Öffnung, der in stetem – damals oft mehrmals wöchentlichem – Kontakt mit dem Lehrer immer weiter vertieft wurde und der den Mitgliedern in der Reikifreundschaft in zeitgemäßer Form nachvollziehbar zur Verfügung steht. Man könnte also, um es kurz zu machen sagen, dass Usui Reiki den Menschen nach dem Prinzip des Wassers und des Felsens stetig umspült und auf diesem Wege Schicht für Schicht immer neue Ebenen schicksalhafter Verunreinigungen abträgt, um den Menschen für das zu öffnen, was er immer bereits ist und was sich im Grad des Shihan (Reiki-Lehrer) verwirklichen soll, wozu es natürlich einer gewissen Praxis bedarf. In diesem Zusammenhang fallen mir auch meine Gedanken zum Thema Reiki: Energie senden und empfangen oder Energie sein? ein.

Wenn wir also Usui Reiki als den Weg des lebendigen Wassers sehen können, manifestiert sich Kundalini Reiki als Weg des Feuers. Hier wird im ersten Grad eine Reinigung vollzogen, die in etwa der Stärke der drei Usui Reiki Einweihungen entspricht, um das Energiesystem auf die Erweckung der Kundalini-Kraft vorzubereiten. Vielfach wird von puristischen Usui Reiki-Lehrern angemerkt, dieses System habe nichts mit Reiki zu tun, also nichts mit dem von Usui Sensei entwickelten System und trage daher die Bezeichnung Reiki zu Unrecht. Das gilt in diesem Fall überhaupt nicht, denn wie erwähnt, sind die Energien des Reiki nach Usui Bestandteil des ersten Grades im Kundalini Reiki.

Aha, mag nun manch einer sagen, dann könnte man sich doch die drei Usui Einweihungen sparen und einfach direkt mit dem ersten Grad Kundalini Reiki anfangen! Ist das in der Praxis so? Nach meiner Erfahrung, nein! Wenn Menschen das Usui Reiki aus Gründen der Bequemlichkeit meiden wollen, z.B. weil sie keine Lust haben, die Symbole zu lernen oder einfach “schneller voran kommen wollen”, bekommen sie oft Schwierigkeiten mit dem Kundalini Reiki. Oftmals ist es auch so, dass sich in der Kindheit stark traumatisierte Menschen gern nach einer schnellen Lösung sehnen, nach einem “alles ist wieder gut”. Dies gelingt natürlich nicht, wenn die Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse umgangen werden soll, insbesondere, wenn das Fühlen ausgeklammert werden soll. In solchen Fällen sind die Energien des ersten Grades von Kundalini Reiki oft kaum vom Empfänger wahrzunehmen, oder der Empfänger schläft während der Einweihungen ein – was dann auch im 2. und 3. Grad als Ausdruck starker Reinigungsprozesse, die der Verstand (noch) nicht fassen und verarbeiten kann, geschehen kann. Bei stark energetisch blockierten Menschen kann also die Reaktion auf den ersten Grad des Kundalini Reiki äußerlich so gut wie Null sein, weil eben der Verstand und das Gemüt noch nicht bereit sind, diese Reinigung wirklich zu empfangen. Wenn aber eine gut vorbereitete Person – die möglicherweise auch schon einige Einweihungen in Reiki nach Usui erhalten hat – die Kundalini Reiki Einweihungen erhält, sind dies oft Erlebnisse von erhabener Schönheit und Intensität.

Kundalini Reiki ist ja schon von der Wortschöpfung her ein interessantes Produkt westlicher Esoterik, denn hier werden altes Japanisch und Sanskrit gemischt. Reiki heißt wie bekannt so viel wie “geistige Energie” oder auch “Energie der Ahnengeister” (was sich im Westen bei der fehlenden Tradtion der Ahnenverehrung natürlich nicht so gut macht, weshalb eher selten darauf hingewiesen wird, oder wenn ja, eher von christlicher Seite, wobei es dann als Argument gegen Reiki benutzt wird, so nach dem Motto, das seien “unreine” Energien von “Gespenstern”, was natürlich grober Unfug ist und der typisch christlich-abendländischen Arroganz entspricht, in der eben alles, was nicht dem eigenen Denken konform geht, als minderwertig, primitiv usw. bezeichnet wird. Dass wir Europäer von den Japanern selbst als haarige Primitivlinge gesehen werden, steht dann wiederum auf einem anderen Blatt und zeigt uns lediglich, dass Reiki und Energiearbeit nicht mit ethnischen oder religiösen Vorurteilen angemessen begegnet werden kann. Kundalini wiederum ist das Sanskrit-Wort für die an der Wurzel der Wirbelsäule zusammengerollt schlafende “Schlangenkraft”, die wenn durch alte Praktiken wie Kundalini Yoga erweckt, das ganze System transformieren aber bei unsachgemäßer Handhabung auch verbrennen kann.

Im Kundalini Reiki wurde aus diesem Grund von Ole Gabrielsen der aufgestiegene Meister Kuthumi als Hüter beauftragt, diesen Prozess in jeder einzelnen einzuweihenden Person zu überwachen und zu schützen, so dass mir kein einziger Fall bekannt ist, in dem ein Mensch durch Kundalini Reiki seelischen oder körperlichen Schaden davongetragen hätte. In den Graden zwei und drei des Kundalini Reiki geht es demgemäß dann um die sichere Erweckung der Kundalini Energie, was in diesem System immer nur in so weit geschieht, wie es für die einzuweihende Person auch verkraftbar ist. Insofern bietet sich auch hier das System des Reiju an, wie es in der Reikifreundschaft durch die Einweihungsschlüssel zeitgemäß nachvollzogen wird, damit auch hier der Prozess immer weiter vertieft werden kann.

Zusammenfassend kann also gesagt werden: Reiki nach Usui Sensei ist ein Weg des lebendigen Wassers, während Kundalini Reiki ein Weg des heiligen Feuers ist. Nach meiner Wahrnehmung ist keiner der beiden Wege besser oder schlechter als der andere. Es sind einfach verschiedene Herangehensweisen an die Erweckung und Befreiung des Menschen aus seinem geistigen Tiefschlaf, die jede für sich vollständig, wirksam und gültig sind. Für eine Entscheidung sollte nicht der Kopf sondern besser das Herz und der Bauch zu Hilfe genommen werden. Ich persönlich möchte keinen der beiden Wege missen und freue mich, Usui Reiki und Kundalini Reiki zu kennen und in meinem Leben anwenden zu dürfen, so dass sie natürlich auch den Mitgliedern der Reikifreundschaft gleichberechtigt nebeneinander stehend zur Verfügung stehen.

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Reiki: Energie senden und empfangen oder Energie sein?

In der westlichen wie in der östlichen Reiki-Szene wird davon ausgegangen, dass es den Menschen in seiner Körperlichkeit gibt, dass aber diese Körperlichkeit durch Reikianwendungen oder Reikieinweihungen beeinflussbar sei. Als Reiki-Praktizierender oder Lehrender gibt man also – diesem Weltbild zufolge – Reiki auf eine bestimmte Körperpartie bei sich selbst oder einem anderen Menschen und wartet die Resultate ab, die sich sofort oder später einstellen mögen. Die meisten Menschen erwarten heutzutage, bei einer Reikibehandlung oder Einweihung müsse es “kribbeln” oder sonst wie ein Beweis für das Vorhandensein eines Energieflusses erbracht werden. Damit sind wir heute nicht weiter als Thomas, der vor 2.000 Jahren von Jesus verlangt haben soll, ihm seine Wundmale zu zeigen, da er nicht glauben wollte, dass er tatsächlich auferstanden sein könnte. Thomas war also, wie der hier beschriebene Reikiempfangende davon überzeugt, seine Sinne könnten ihm die Realität zeigen.

Die moderne Quantenphysik belegt, dass dem nicht so ist, dass unsere Sinne uns täuschen, dass wir Dinge wahrnehmen, weil wir sie sehen wollen, dass wir sie nicht sehen, weil sie uns zu viel Angst machen würden usw. Jesus soll davon gesprochen haben, dass er – wo zwei oder mehr in seinem Namen versammelt seien – mitten unter ihnen sei, was schlicht bedeutet, dass zwei Menschen, die das selbe glauben, in dem Moment eine gemeinsame Erfahrung des Einklangs machen. So lange aber nach Beweisen und Erfahrungen gesucht wird, ist noch keine Bewusstheit vorhanden. So lange ich mich selbst nicht kenne, ist der Glaube blind. Und wozu das führt, sieht man sowohl an den Kriegen, die das Christentum hervorgebracht hat, als auch an den Jahrzehnte lang währenden  Streits und Zwistigkeiten unter den Reikilehrern und Reikischulen.

Da Usui Mikao Sensei ein erleuchteter Mann gewesen sein dürfte, waren diese Energiespielereien für ihn in seinem Unterricht sicher nur esoterischer Kindergarten, so dass seine Bemühungen dem gewidmet waren, seine Freunde und Schüler zu einer neuen Wahrnehmung zu bewegen: Zur Wahrnehmung dessen, was wirklich ist. Da Japan eine Kultur der stufenweisen Erleuchtung pflegt, wurde auch der Weg des Reiki nach Usui in drei Stufen geteilt:

1. Reiki erleben

2. Mit Reiki arbeiten

3. Reiki sein

In dieser Abstufung zeigen sich drei grundlegende Ausprägungen menschlichen Handelns:

1. Haben

2. Tun

3. Sein

Nun geht die japanische Mentalität eher nach innen, während unsere westliche eher nach außen gerichtet ist. So wird aus diesem Weg der Stufen, die im japanischen Denken nach unten und innen führen, im an äußerem Status orientierten Westen ein Weg, der sich nach oben und außen über sein bisheriges Leben und seine Mitmenschen erheben will, was zu erheblichen Komplikationen in der Praxis führt.

Im ersten Grad Shoden (jap. “erste Lehre” oder “erstes Wissen”) wird also das bisherige Weltbild der einzuweihenden Person noch nicht wirklich in Frage gestellt. Es scheint eher so auszusehen, dass dem “ich”ein göttliches oder energetisches Werkzeug an die Hand gegeben würde, das er von nun an habe oder besitze, das ihm also auch nicht mehr verloren gehen könne. Dies hat den Vorteil, dass die einzuweihende Person Vertrauen in Reiki gewinnt und den Nachteil, dass ihr entgeht, dass sie niemals getrennt davon gewesen ist. Ein fundamentales Problem – das leider oft auf diesem Weg auftritt ist, dass Reiki nicht als der große Schatz gesehen wird, der es ist, sondern das weitgehend unbewusste “ich” versucht, sich diese grenzenlos intelligente Energie untertan zu machen … der erste Irrtum heißt also “ich”, der Heiler …

Im zweiten Grad Okuden (jap. “innere Lehre” oder “vertieftes Wissen”) geht es nun darum, den Besitz auch anzuwenden. Die eigentliche Bedeutung dieses Grades ist, dass Blockaden beseitigt werden sollen, die den Menschen davon abgehalten haben, seine wahre Natur zu erkennen. Hier kommt also das Tun ins Spiel.  Wenn Reiki zuvor demütig als der große Schatz anerkannt worden ist, findet hier leichten Herzens eine Reinigung statt, die bis in tiefste karmische Verstrickungen hinein reicht. Wenn aber nach wie vor das “ich” im Spiel ist, das meint, durch Reiki etwas besonderes zu sein, dann entstehen Auswüchse wie der magische Missbrauch der Reikisymbole für persönliche niedere Ziele, was sich in der neuen Identifikation äußert: “ich”, der Magier …

Der dritte Grad Shinpiden (jap. “geheimes Wissen” oder geheimnisvolle Lehre”) des Reiki nach Usui diente ursprünglich dazu, die Erleuchtung zu verwirklichen, also unmittelbar zu erfahren, dass ich nicht getrennt von Reiki bin, dass ich das große goldene Leuchten bin, das mir im Zeichen des dritten Grades symbolhaft gezeigt wird.  Im spirituellen Materialismus der “ich”-Identifikation wird daraus dann das Zerrbild des “Reiki-Meisters”, was nichts anderes ist als ein mit Projektionen aufgeladenes Super-Ego, das sich einbildet, nun über anderen Menschen zu stehen, was letztlich nur beweist, dass hier keine Erleuchtung stattgefunden hat … Diese ganzen Fantasien, als “Reiki-Meister” könne man nun stärkere Reiki-Energie aufrufen und senden, oder das Symbol des dritten Grades ersetze die des zweiten zeigt einfach nur, wie wenig echte Verwirklichung bis dahin geschehen ist. Alles scheint nur noch laut, starr und äußerlich … und schon sind wir beim Kulminationspunkt des spirituellen Egos angelangt: “ich”, der Meister …

Mir scheint daher aus eigener Erfahrung wichtig, dass wir uns dem Mysterium des Reiki und dem Mysterium, das wir “ich” nennen, gleichzeitig nähern. Dies geht, indem wir still werden, Reiki als Impuls erfahren, uns unserer eigenen wahren Natur bewusst zu werden. So können wir staunend erfahren, dass das was die alten Weisen und die Quantenphysik übereinstimmend sagen, sich in uns selbst manifestiert und verwirklicht: Wir sind Bewusstsein, das sich in energetischen Zuständen und Formen erfährt und jeden Augenblick neu erschafft … auf diese Weise kann Reiki ein Weg der Befreiung sein,  kein Statussymbol des spirituellen Materialismus, sondern ein Weg des erwachten Lebens … und diesen Weg üben wir in der Reikifreundschaft, wo die östlichen und die westlichen Wege des Reiki nach Usui friedlich Hand in Hand gehen. Auf diesem Weg kann die Erfahrung immer tiefer werden, dass wir Reiki in letzter Konsequenz nicht besitzen sondern nur sein können …

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